Sonntag, 26. April 2009

Sonntag, 26. April - Letzter gemeinsamer Tag der Reise

Es ist Sonntag Nachmittag um 5. Ich sitze etwas einsam auf der Terrasse des Hotels Cardoso in Maputo. Neben mir plätschert ein Springbrunnen. Noch steht die Sonne weißgolden über dem Horizont. Vor zwei Stunden haben wir die Gäste aus Deutschland auf dem Flughafen verabschiedet. Inzwischen müssten sie bald in Johannesburg landen. Wenn alles wie geplant verläuft, werden sie in wenigen Stunden, wenn wir am frühen Morgen aus dem Schlaf erwachen, wieder in Deutschland sein, der Heimat, dem vertrauten Umfeld. Und wir werden uns auf den Weg machen zurück in unser vertrautes dörfliches Umfeld.

Ist Cambine inzwischen zu unserer Heimat geworden? Ja und nein. Ja, denn dort steht das Haus, in dem wir wohnen. Dort kennen wir viele Menschen und sind den meisten bekannt. Dort haben wir unsere Aufgaben. Dort gehören wir jetzt hin. Und doch ist Heimat ein großes Wort, zu groß für einen Wohnort, an dem wir noch kaum Vergangenheit und wohl auch nur eine begrenzte Zukunft haben. Nein, zur Heimat gehören auch die Wurzeln, die man geschlagen hatte in vergangener Zeit. Es mag befremdend klingen, aber so gesehen ist es immer wieder eine wohltuende Erfahrung, Gäste in die Heimat zu verabschieden ohne Heimweh und ohne die Sehnsucht, mit ihnen zu fliegen.

Hinter uns liegen elf Tage voller intensiver Begegnungen, Gespräche und Eindrücke. Wir haben Bekannte wiedergetroffen, andere Menschen haben wir neu kennen gelernt. Normalerweise ist der Kreis der uns umgebenden Menschen ziemlich eng begrenzt, die Möglichkeiten der Kommunikation durch den Sprach- und Kulturunterschied eingeschränkt. Deshalb bedeuten die vergangenen Tage für uns in erster Linie nicht Arbeit und Stress, sondern eine willkommene Abwechslung. Herzlichen Dank, ihr habt uns reich beschenkt!

Heute am letzten gemeinsamen Tag haben wir am Morgen in der Heimatgemeinde unseres Tourguides Arlindo den Gottesdienst besucht. Chamanculo liegt in einer der armen Gegenden Maputos. Doch gerade dort stoßen wir auf die Wurzeln der methodistischen Missionsarbeit im ehemaligen Lourenço Marques, wie Maputo früher hieß. Die Gemeinde in Chamanculo ist dabei, eine Kirche zu bauen. Ein großes Gebäude für eine große Gemeinde. Die Mauern stehen schon. Auch das Dach aus Profilblech ist fest verankert und dicht. Fast im ganzen Raum ist der Fußboden betoniert. Durch die offenen Fensternischen fliegen Vögel herein und hinaus.



Fenster und Türen sind noch nicht eingebaut. Wenn etwas Geld da ist, wird weitergebaut. Doch bis die Kirche irgendwann fertig sein wird, braucht es wohl noch lange Zeit. Doch bis dahin lebt die Gemeinde in ihrem Provisorium und tut dort ihren Dienst so gut sie eben kann. Am Gesang jedenfalls können wir erkennen, dass es eine lebendige Gemeinde sein muss, die sich hier versammelt hat. Auch ein großer Jugendchor erfreut uns mit seinen guten Stimmen.



Diese Schwestern und Brüder können uns ein Vorbild sein, denn nicht zuerst kommt es darauf an, dass eine Kirche Fenster und Türen hat. Wie sagte der Pastor heute im Gottesdienst: „Wir haben kein Guthaben auf dem Konto. Das Guthaben unserer Gemeinde sitzt hier im Gottesdienst.“ - Es sind die Menschen, die gemeinsam den Glauben leben mit den begrenzten Mitteln, die sie haben.



Die Eindrücke vom Gottesdienst in Chamanculo sind die letzten dieser Reise. Sie werden die Rückkehrenden nach Deutschland begleiten. Auch wir werden sie mit nach Cambine nehmen. Und doch sind sie nur ein Steinchen im großen Mosaik, das gebildet wird aus den zahllosen Impressionen der zurückliegenden Tage. Es wird Zeit brauchen, sie zu sortieren und zu verarbeiten. Und genau dabei wird es geschehen, dass die gesammelten Erfahrungen uns verändern werden, unsere Wahrnehmung der Welt und damit auch uns selber. Werden wir offen dafür sein, dass Gott auch dadurch zu uns sprechen kann und will?


Es grüßen herzlich,
Claudia und Thomas Günther (tg)

Samstag, 25. April 2009

Samstag, 25. April - die vorerst letzten gemeinsamen Tage

Nun ist es uns doch nicht gelungen, jeden Tag kurz Bericht über unsere Reise zu erstatten. Nun ist es bereits Samstag Nachmittag und höchste Zeit, einige Nachträge anzubringen. Schließlich ist morgen schon unser letzter Tag hier in Mosambik! Also:

Am Donnerstag morgen brachen wir in Chicuque frühzeitig auf, um pünktlich in Maputo anzukommen. Erneut acht Stunden im Bus. Doch die Fahrt verlief ohne gefährliche Situationen, Gott sei Dank! In Maputo fuhren wir zuerst zur Kirchenkanzlei. Wir waren müde, verschwitzt und wollten eigentlich am liebsten ins Hotel. Doch die Bischöfin hatte darauf gedrungen, noch einmal bei ihr vorbeizuschauen. Doch als wir bei ihr ankamen, war sie leider schon auf dem Weg nach Schweden. Mit kühlen Getränken, guten Worten und Gastgeschenken verabschiedeten wir uns voneinander: Ja, diese Partnerschaft ist ein Geschenk für beide Seiten.

Sonnenaufgang über Maputo

Auch am Freitag galt es, morgens rechtzeitig am Hoteleingang zu stehen. Drei Allradtaxis warteten dort auf uns. Ins Maputo Elefanten Reservat sollte die Reise gehen. Mit der 6-Uhr-Fähre setzten wir nach Catembe über. 70 staubige und holprige Kilometer südlicher erreichten wir den Eingang ins Reservat.

Das kann ja heiter werden...

Kaum waren wir ins Tierschutzgebiet hineingefahren, blieb das erste Taxi auf den tiefsandigen Wegen stecken. Dann streikte das zweite Taxi. Anstelle auf die Tiere in Wald und Wiese schauten alle auf das rote Licht, das in schöner Regelmäßigkeit signalisierte: Der Motor wird zu heiß! Langer Rede kurzer Sinn: Wir mussten die Safari aus technischen Gründen abbrechen. Bloß gut, dass wir schon vorher wussten, wie Elefanten aussehen...

Ohne Allradantrieb ist man hier noch schneller am Ende.

Immerhin, einige Flusspferde und Krokodile haben wir gesehen. Oder wenigstens das, was von ihnen über die Wasseroberfläche hinausragte. Und das ist bekanntlich nicht viel.

Für uns ist hier Baden verboten.

Den Fahrern war es sichtlich peinlich. Aber auch sie konnten die Situation nicht ändern. Wenigstens servierten sie uns an einem schattigen Plätzchen ein gutes Mittagessen mit gekühlten Getränken.

Mittagsmahl im Dorf Bela Vista

Auch auf dem Rückweg mussten wir die Fähre benutzen. Nach afrikanischen Maßstäben befindet sie sich in einem brauchbaren Zustand. Dem TÜV allerdings dürfte sie wohl nicht unter die Augen kommen. Wichtig: wir kamen an.

Überfahrt von Catembe nach Maputo

Als Schadensersatz für die elefantenlose Elefantensafari lud uns das Reisebüro, bei dem die Tour gebucht war, am Abend zum Essen ein: Costa de Sol, ein gutes Restaurant am Meeresufer etwas außerhalb von Maputo. Anschließend konnte, wer wollte, Maputo bei Nacht erkunden. Einige wollten. So kamen wir in ein Café, in dem mosambikanische Musikanten aufspielten. Afrikanische Pop-Musik live. Das erlebt man nicht oft. Doch wir können nun sagen: Wir sind dabei gewesen! Und gelohnt hat sich das Vergnügen allemal. Dilon Ndjindji, der erste Künstler auf der Bühne, ist stolze 82 Jahre alt und quicklebendig. Es war eine Freude, ihm zuzuhören und zu –schauen.

Dilon Ndjindji und Band

Sonnabend morgen: Weil es am Abend vorher spät geworden war, schliefen wir aus. Nach dem Frühstück brachte uns der Bus in die „Baixa“, die Unterstadt, in der jeden Samstag vormittag der Künstlermarkt (oder ist es eher ein Touristenmarkt?) stattfindet.

Kunst und Krempel zum Greifen nah

Viele der dort vertretenen Künstler (oder sind es eher Händler?) sind Naturtalente auf dem Gebiet des Verkaufens. Und hartnäckig sind sie außerdem. Wie sollten sie es auch nicht sein? Sie leben davon, dass sie ihre Sachen verkaufen. Trotzdem, es geht einfach nicht: man kann nicht allen alles abkaufen, nur weil einer sagt, dass er Hunger hat und eine Familie zu versorgen... Doch abgesehen davon haben fast alle allerlei eingekauft: Batiken, Schnitzereien, Schmuck. Nebenbei: Der Preis muss natürlich verhandelt werden. Auch wer es nicht gewohnt ist, lernt es mit der Zeit. Dabei sollte das Ziel nicht im rechnerisch niedrigsten Preis bestehen. Vielmehr sollten am Ende beide Seiten das Gefühl haben, ein gutes Geschäft gemacht zu haben. Dann ist das Verhandeln des Preises auch keine verbissene Minimierung der Ausgaben, sondern viel eher ein lockeres Spiel zwischen Käufer und Verkäufer.

Der Preis ist ausgehandelt, jetzt wird gekauft.

Einige aus der Gruppe besuchen in diesem Moment das Teatro Avenida, in dem sich auch Henning Mankell, der bekannte schwedische Krimiautor, engagiert. Heute findet dort ein Klassikkonzert statt.

Ja, und morgen ist dann der letzte gemeinsame Tag...

Mittwoch, 22. April 2009

22. April – Inhambane, Tofo


Mal ehrlich: Würden Sie sich so einem Boot anvertrauen?
Nein? – Warum denn nicht?

Zugegeben, das Segel ist geflickt und die Farbe blättert ab, aber dicht ist das Boot schon. Die Martha-Maria-Reisegruppe jedenfalls scheute sich nicht, die Probe aufs Exempel zu machen.



Eine reiche Stunde brauchte sie, um mit der Dhau die Bucht zwischen Maxixe und Inhambane zu überqueren. Kaum waren alle im Boot, kam Wind auf und die christliche Seefahrt nahm einen neuen Anfang. Kurz bevor sie das rettende Ufer erreichten, geschah es: Es begann zu regnen. Doch das bisschen Nässe von oben war nur der Anfang. Es kam auch noch Nässe von unten. Doch am Boot lag es nicht. Das war dicht!




Inhambane, die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, liegt auf einer Halbinsel. Wer an den äußeren Strand will, muss die Stadt passieren. Nach einem Rundgang durch Stadt und Markt brachte uns Senhor Telmo, unser Fahrer, mit dem Bus nach Tofo an den Strand. Nach dem Motto „gut Ding will Weile haben“ speisten wir im „Haus des Essens“.



Es blieb noch Zeit zu einem Sprung in den Indischen Ozean. Das tat gut, denn die Wellen gingen hoch und das warme Wasser stand uns nicht nur einmal bis zum Hals. Wer das Salz auf seiner Haut scheute, badete wenigstens in Sonne und Wind. Viel zu schnell war es Zeit, wieder aufzubrechen, denn um 17 Uhr wollten wir zurück sein. Das haben wir nicht ganz geschafft. Nun aber schnell, denn für 18 Uhr hat uns Direktor França zu sich nach Haus eingeladen.

Dienstag, 21. April 2009

21. April - Projektbesuch Cambine

Ein zweites Mal kommen wir nach Cambine. Heute besuchen wir nicht die Kirche, sondern die Projekte, die zur Mission gehören.

Gleich am Ortseingang befindet sich das Gesundheitszentrum. Der Direktor der Mission, Sr. Massicame und Superintendent Mazive begrüßen die Delegation. Danach führt Claudia Günther durch die verschiedenen Bereiche des Zentrums. Besonders beeindruckt zeigen sich die Besucher von maroden Zustand der Entbindungsstation und des Wohnbereichs der werdenden Mütter. Direktor Andreas Cramer übergibt eine Spende der Martha-Maria-Stiftung in Höhe von 2000 €. Diese ist zur Sanierung dieses Bereichs bestimmt. Thomas Günther informiert über eine Nachricht von Missionssekretär Thomas Kemper aus Deutschland. In einer E-Mail hatte dieser mitgeteilt, dass auch die Finanzierung der restlichen für dieses Projekt notwendigen 18.000€ gesichert sei. Darüber sind wir alle sehr dankbar, in besonderer Weise die Günthers und die anderen Mitarbeiter der Mission Cambine.

Im Theologischen Seminar treffen wir einige der 36 Studentinnen und Studenten. Das Wohnheim der Studentinnen wurde aus Mitteln der EmK-Weltmission in Deutschland errichtet.

In der Sekundarschule treffen wir Direktor Bastante. Allein an seiner Schule lernen in den Klassen 8 - 12 2.200 Schülerinnen und Schüler. 500 von ihnen leben nach Geschlechtern getrennt in den beiden Internaten im Dorf. Insgesamt hat Cambine knapp 5.000 Einwohner. Der Anteil junger Leute ist entsprechend hoch.

Das Landwirtschaftsprojekt umfasst Ackerbau (Salat, Weißkohl, Ananas u.a.) und Viehzucht (Schweine, Hasen, Enten, Gänse und Hühner). Es wird gemeinsam mit der in unmittelbarer Nachbarschaft gelegenen Berufsschule betrieben. Die Schülerinnen und Schüler leisten hier die notwendigen praktischen Übungen. Daneben gibt es noch eine Tischlereiwerkstatt und ein Computerkabinett.

Warum gibt es in Cambine so viele Schulen? In einem Buch über die Entwicklung der methodistischen Missionarbeit in der Provinz Inhambane steht zu lesen, dass die Missionare schon bald nach ihrer Ankunft in Cambine begannen, eine „sehr gute Kapelle zu bauen, zu der auch ein Klassenzimmer mit Tafeln und Bänken gehörte“. - Schulische Bildung war also von Anfang an Teil der methodistischen Missionsarbeit in Cambine.
tg

Montag, 20. April 2009

20. April – Erlebnistag in Chicuque (Eindrücke von Andreas Cramer)

Mit Blick auf den malerischen Ozean: unser Morgenkreis auf der Terrasse des Gästehauses. Die Sonne strahlt – das Frühstück schmeckt. Voll bepackt mit Mitbringseln für das Krankenhaus und die Kindertagesstätte „Arche Noah“ brechen wir vom Gästehaus auf (fünf Minuten Fußweg).

Die beiden Direktoren Jeramias França und Andreas Cramer

Der Direktor des Krankenhauses Jeremias França begrüßt die Gruppe. Er ist voller Dankbarkeit für die Partnerschaft. Leitende Mitarbeiter stellen sich vor. Direktor França stellt uns die aktuellen Projekte AIDS-Klinik und Centre of Hope vor.

Andreas Cramer betont den Sinn der Partnerschaft: Weil wir denselben diakonischen Auftrag an erkrankten Menschen haben, ist der Austausch über die unterschiedlichen Situationen sinnvoll. Persönliche Begegnungen sind dabei das A und O der Partnerschaft.

Schwester Ilse trifft alte Freunde, die bereits in Nürnberg zu Gast waren

Ute Schaffer, die Organisatorin der Partnerreise, hat die Mitbringsel geordnet:
- ein Koffer voller Medikamente
- Spielzeug für die Kinderstation
- allerlei nützliche Kleinigkeiten
- 24 Paar Fußballschuhe für die Mannschaft des Krankenhauses.

Ute Schaffer übergibt mitgebrachte Geschenke

Andreas Cramer überreicht ein Kuvert für die Krankenhausarbeit. Leider trifft das für heute, 20. April, fest zugesagte SIEMENS-Ultraschallgerät Sonoline G20 nicht ein. Es wird jeden Tag erwartet. Der Preis von 20.000 € wurde allein aus Spenden von Freunden und Förderern der Martha-Maria-Stiftung finanziert.

Beim Rundgang - Röntgenabteilung

Zum Abschluss noch drei besondere Eindrücke des Tages:

1. Jeder Patient des Krankenhauses hat einen geringen Eigenanteil zu bezahlen: fünf Meticais für Medikamente (unabhängig davon, wie viele er braucht) und zehn Meticais für den Krankenhausaufenthalt (unabhängig davon, wie lange er dauert). Beim Geldtausch bekommen wir im Moment für eine Euro 36 Meticais. 15 Meticais sind also knapp 50 Euro-Cent.

Ganz bei der Sache

2. Der kulturelle Abend auf der Wiese neben der Kirche war wunderbar. Afrikanische Tänze, die Predigt der Pastorin, die Thomas Günther aus dem Portugiesischen übersetzt hat (Dankeschön!), verschiedene Chorlieder und ein ausgezeichnetes Abendbüffet. Muito obrigado!

Die gute Stimmung steckt an

3. Bei unserer abendlichen „Tagesauswertung“ gab es eine gemeinsame Überzeugung: Diese Partnerschaft zwischen Martha-Maria und dem Landkrankenhaus Chicuque sollte weitergehen. Vom Leistungsangebot dieses 200-Betten-Krankenhauses für die rund 700.000 Menschen in seinem Einzugsbereich waren wir alle sehr beeindruckt, genau so von der dringenden Notwendigkeit, dieses Angebot weiterzuentwickeln.
ac

Sonntag, 19. April 2009

19. April – Zum Gottesdienst nach Cambine

35 Kilometer nordwestlich von Chicuque liegt Cambine. Von der asphaltierten Hauptstraße sind es noch zehn Kilometer Sandpiste bis ins Dorf. Als die methodistischen Missionare Ende des 19. Jahrhunderts von der Küste aus ins Hinterland zogen, kamen sie auch nach Cambine. Ein Grund, weshalb sie gerade hier siedelten, war die Quelle, die schon damals frisches klares Wasser spendete. Das tut sie bis heute. Es gibt wohl nur wenige Orte in Afrika, an denen man das Wasser direkt aus der Leitung genießen kann – ohne Filtern und Abkochen. Cambine gehört dazu. Ein hiesiges Sprichwort sagt: „Não há agua, não há vida.“ – Gibt es kein Wasser, gibt es kein Leben. In Cambine gibt es beides.



Die einzelnen Projekte der Mission werden wir am Dienstag besichtigen. Heute gehen wir hier erst mal zum Gottesdienst. Um neun soll er losgehen. Das tut er nicht. Es wird gegen viertel zehn gewesen sein, als die Männer singend in die Kirche einziehen. An diesem Wochenende findet die Bezirkskonferenz des methodistischen Männervereins statt. Deshalb gestalten die Männer den Gottesdienst. Die Kirche füllt sich langsam. Als etwa nach einer dreiviertel Stunde die Gemeindeglieder aufgefordert werden, durch die Kirche zu gehen und einander die Hand zum Gruß zu reichen, ist bereits eine stattliche Anzahl zugegen. Natürlich wollen viele unsere hellhäutigen Hände schütteln. Schließlich sind wir Ehrengäste.



Als solche werden wir dann auch begrüßt. Die Kinder der Gemeinde singen und tanzen für uns. Man spürt es ihnen ab: das tun sie gerne. Wir bekommen Kränze aus Bougainvilleablüten umgehängt. Dann müssen die Frauen nach vorn. Von den Frauen der Gemeinde bekommen sie ein Kopftuch aufgesetzt. Dann sind die Männer an der Reihe. Sie erhalten von den Männern einen Strohhut und eine aus Stroh geflochtene Handtasche. Eine Handtasche für Männer? Das sei hier typisch, sagt uns später einer, der es wissen muss.




Nach dem Gottesdienst gibt es reichlich Mittagessen. In Hinblick auf Lukas 14:15ff ist es ein geradezu biblisches Mahl. Viele der geladenen Gäste erscheinen nicht. Sie haben offenbar anderes zu tun. Schade! Doch das Essen ist gut und wir genießen es reichlich.

Ein Spaziergang über den kleinen Markt und zum Stausee unten im Tal dient nicht nur der Verdauung, sondern auch dem Kennenlernen des Ortes. Zum Abschluss des Tages treffen wir im Centro Orfanato, dem Waisenhaus, mit den dort lebenden Kindern und Jugendlichen zusammen. Die Freude ist groß – bei allen Beteiligten.

Bei den Kindern im Waisenhaus Cambine

tg

Samstag, 18. April 2009

18. April – schon wieder Busfahren: von Maputo nach Chicuque

Der Tag fing zeitig an. Bereits um 6:30 Uhr ging es zum Frühstück. Noch während wir aßen wurde das Gepäck im Bus verstaut. Dann ging es los. Quer durch die Stadt auf die EN1, die Estrada Nacional 1, die Hauptverkehrsader, die den Süden Mosambiks mit der Mitte und dem Norden des Landes verbindet. Knapp fünfhundert Kilometer, von denen die ersten und die letzten zweihundert hervorragend ausgebaut sind. Nur in der Mitte gibt es noch hundert Kilometer enge, holprige Schlaglochpiste. Um ehrlich zu sein: es war anstrengend, es war warm, die Strecke zog sich. Und zu Mittag gab es Kekse, Bananen und Cashewnüsse... Naja.



Acht Stunden dauerte die Fahrt, doch wir kamen wohlbehalten in Chicuque an. Dass das nicht selbstverständlich ist, sahen wir unterwegs. In einer Senke, in der die Straße eng und holprig ist, waren ein Linienbus und ein Sattelzug aneinander geraten. Der Stärkere war in diesem Fall der LKW, der den Bus von der Straße drängte: Wir sahen nur die Schneise, die der Bus ins Gebüsch schnitt, bevor an einem Baum zum Stehen kam. Als wir die Unfallstelle passierten, war die Polizei bereits zugegen. Die Fahrgäste scheinen alle mit dem Schrecken davon gekommen zu sein. Sie saßen im Schatten und warteten, offenbar auf einen Ersatzbus.

„Gütiger Gott, wenn wir unterwegs sind, halte schützend deine Hände über uns, dass uns kein Unfall widerfahre und dass auch wir keinem anderen Schaden zufügen mögen.“ - Dieses Gebet ist immer und überall angebracht, wenn man verreist, besonders aber, wenn man in Afrika mit dem Auto unterwegs ist. Doch dann waren wir da. Gästehaus Chicuque. Nein, ein Vier-Sterne-Hotel ist es nicht, doch die Aufnahme war herzlich. Die folgenden Bilder entstanden beim Begrüßungstee.



Endlich am Ziel!

tg