Ist Cambine inzwischen zu unserer Heimat geworden? Ja und nein. Ja, denn dort steht das Haus, in dem wir wohnen. Dort kennen wir viele Menschen und sind den meisten bekannt. Dort haben wir unsere Aufgaben. Dort gehören wir jetzt hin. Und doch ist Heimat ein großes Wort, zu groß für einen Wohnort, an dem wir noch kaum Vergangenheit und wohl auch nur eine begrenzte Zukunft haben. Nein, zur Heimat gehören auch die Wurzeln, die man geschlagen hatte in vergangener Zeit. Es mag befremdend klingen, aber so gesehen ist es immer wieder eine wohltuende Erfahrung, Gäste in die Heimat zu verabschieden ohne Heimweh und ohne die Sehnsucht, mit ihnen zu fliegen.
Hinter uns liegen elf Tage voller intensiver Begegnungen, Gespräche und Eindrücke. Wir haben Bekannte wiedergetroffen, andere Menschen haben wir neu kennen gelernt. Normalerweise ist der Kreis der uns umgebenden Menschen ziemlich eng begrenzt, die Möglichkeiten der Kommunikation durch den Sprach- und Kulturunterschied eingeschränkt. Deshalb bedeuten die vergangenen Tage für uns in erster Linie nicht Arbeit und Stress, sondern eine willkommene Abwechslung. Herzlichen Dank, ihr habt uns reich beschenkt!
Heute am letzten gemeinsamen Tag haben wir am Morgen in der Heimatgemeinde unseres Tourguides Arlindo den Gottesdienst besucht. Chamanculo liegt in einer der armen Gegenden Maputos. Doch gerade dort stoßen wir auf die Wurzeln der methodistischen Missionsarbeit im ehemaligen Lourenço Marques, wie Maputo früher hieß. Die Gemeinde in Chamanculo ist dabei, eine Kirche zu bauen. Ein großes Gebäude für eine große Gemeinde. Die Mauern stehen schon. Auch das Dach aus Profilblech ist fest verankert und dicht. Fast im ganzen Raum ist der Fußboden betoniert. Durch die offenen Fensternischen fliegen Vögel herein und hinaus.
Fenster und Türen sind noch nicht eingebaut. Wenn etwas Geld da ist, wird weitergebaut. Doch bis die Kirche irgendwann fertig sein wird, braucht es wohl noch lange Zeit. Doch bis dahin lebt die Gemeinde in ihrem Provisorium und tut dort ihren Dienst so gut sie eben kann. Am Gesang jedenfalls können wir erkennen, dass es eine lebendige Gemeinde sein muss, die sich hier versammelt hat. Auch ein großer Jugendchor erfreut uns mit seinen guten Stimmen.
Diese Schwestern und Brüder können uns ein Vorbild sein, denn nicht zuerst kommt es darauf an, dass eine Kirche Fenster und Türen hat. Wie sagte der Pastor heute im Gottesdienst: „Wir haben kein Guthaben auf dem Konto. Das Guthaben unserer Gemeinde sitzt hier im Gottesdienst.“ - Es sind die Menschen, die gemeinsam den Glauben leben mit den begrenzten Mitteln, die sie haben.
Die Eindrücke vom Gottesdienst in Chamanculo sind die letzten dieser Reise. Sie werden die Rückkehrenden nach Deutschland begleiten. Auch wir werden sie mit nach Cambine nehmen. Und doch sind sie nur ein Steinchen im großen Mosaik, das gebildet wird aus den zahllosen Impressionen der zurückliegenden Tage. Es wird Zeit brauchen, sie zu sortieren und zu verarbeiten. Und genau dabei wird es geschehen, dass die gesammelten Erfahrungen uns verändern werden, unsere Wahrnehmung der Welt und damit auch uns selber. Werden wir offen dafür sein, dass Gott auch dadurch zu uns sprechen kann und will?
Es grüßen herzlich,
Claudia und Thomas Günther (tg)